Donnerstag, April 27, 2006

Hallok

Komme gerade aus dem Kino: "Capote" (OmUngrU). Nicht schlecht, gnau genommen sogar sehr schön, aber ich weiß immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Es stimmt auf jeden Fall, dass dieser Seymour Philipp gut spielt. (Der hatte den Oskar für die Rolle des Truman Capote bekommen.) Auf jeden Fall etwas besser zu verdauen, als dieser französische Film mit ungarischen Untertiteln letzte Woche.


Heute möchte ich mal über ein paar Dinge in Ungarn schreiben, an die ich mich noch nicht gewöhnt habe:

1. Das Geld

Wieviel war ein Forint? Was entspricht einem Euro? Ich weiß es nicht. Also, ich weiß es schon (1 € = ca. 270 Ft) aber ich habe keine Beziehung dazu. Wahrscheinlich hilft es nicht gerade, dass ich den Wechselkurs in menem Handy gespeichert habe und das immer zücke, wenn Beträge über 1000 Ft anfallen. Ich weiß, ich bin Mathematiker. Trotzdem weigere ich mich kopfzurechnen. Man hat ja die moderne Technik. Eines ist beruhigend: mein Gehalt hat 1-2 Nullen mehr dran als das meiste, was ich so zahlen muss. Beim Mittagessen und Zigaretten sogar drei. Also kein Grund zur Panik. Merkwürdig ist auch, dass die Ungarn immer, immer, immer, fragen, ob man es nicht kleiner hat. Und zwar egal, wie hoch der Betrag ist und mit welchem Schein man zahlt. Das versteh ich einfach nicht. Die Fresse, die die Supermarktkassiererin zieht, wenn man mit einem 10 000-Ft-Schein zahlt, wollt ihr nicht sehen. A propos Geld: habe heute den Steuerbescheid des Finanzamtes Berlin-Kreuzberg erhalten. Tatsächlich hat meine WISO-unterstützte Rechnung gestimmt und sie haben alles akzeptiert. Da braucht man doch keinen Steuerberater! Wer nochmal sagt, mein Rucksack war teuer, dem halte ich entgegen: alles Betriebsausgaben.

2. Hallo

Wusstet ihr, das "Hallo" aus dem ungarischen kommt? Irgendwelche ungarischen Ingenieure waren bei den ersten Telefongesprächen am Start. Und der Typ, der den Hörer abnahm, sagte zu seinem ungarischen Kollegen hallok, "ich höre". Auch heute sagen die Ungarn gerne und oft "Hallo", oder wahlweise auch "Hello". Das ist schon immer total verwirrend, weil es genau wie das deutsche oder das englische Wort klingt. So weit, so gut. Das Problem ist nur: sie benutzen es auch als "Tschüs". Jeden Tag in der Uni kommt es also vor, das jemand aus dem Fahrstuhl steigt und vorher noch ein nettes "Hallo" in die zufällige Runde spricht. Und jedesmal komme ich damit nur schwer klar. (In Ungarn grüßt man sich grundsätzlich fast immer. Man hält auch Frauen die Tür auf. Und die bedanken sich dann mit köszi, der Verniedlichung von köszönöm. Und dann sagt man: szívesen, "gern geschehen." Und zwar nicht nur bei älteren Damen, sondern auch bei Studentinnen in der Uni.)

3. Party-Emails aus Berlin

Ach, Berlin. Ich stehe ja auf allen möglichen Club-. und Party-Mailinglisten, die auch hier ankommen. Das bricht mir immer das Herz. Heute gesehen: BLACK STROBE und SASCHA FUNKE und FRANK MARTINIQ im 103 am Freitag. *kreisch* Das geht einfach über meine Kräfte. Und ich kann nur manchmal zu so komischen Events wie am letzten Wochenende gehen. Aus der Ferne lerne ich langsam das Berliner Nachtleben richtig zu schätzen. Got til its gone...

4. Kotze im Nachtbus

Ich habe ja schon einige Loblieder auf die Budapester Verkehrsbetriebe (BKV) gesungen. Unter andere fährt jede Nacht im 10-Minuten-Takt ein Bus entlang de Tramlinie, also mich von der Arbeit nach hause. Nur: Warum muss es im Nachtbus grundsätzlich nach einer Mischung aus Kotze und Alkohol stinken? OK, das mit dem Alkohol verstehe ich in einem Nachtbus in der Innenstadt ja noch. Man sieht die Leute auch trinken. Aber komischerweise zieht immer ungefähr auf Mitte meiner Strecke nach hause eine zweite Note auf, die Kotze. Es riecht nie nach Kotze, wenn ich einsteige, aber wenn ich aussteige. Ich bin ich immer froh, dass das vorbei ist. Dabei habe ich noch niemanden im Nachtbus kotzen sehen. Welt der Wunder. die Bilder in diesem Post sind auch beide aus den BKV. Oben: U-Bahntreppe in der Station Arany János. Unten: Gerangel im Nachtbus. Ich habe leider die Szene nicht auf Zelluloid gebannt, in der sich zwei Prollweiber (die vorher im Bus geraucht hatten) geprügelt haben und dabei halbvolle Bierflaschen durch die Gegend warfen.


So, ich geh jetzt schlafen, morgen wollen weitere Heldentaten geschafft werden. Heute habe ich das erste Mal die Berge-Vermutung ansatzweise verstanden, also muss es morgen weitergehen!

PS "Auf Zelluloid gebannt", hi hi. Ich habe aber gemerkt, dass der selektive Gaußsche Unschärfefilter von GIMP bei den Handybildern Wunder wirkt.